Die Zeiten, in denen Computer noch graue Kisten, versteckt hinter dem Schreibtisch, waren, sind vorbei. Moderne Gehäuse sollen sich auch sehen lassen können. Da werden Designtower gekauft oder auch manchmal handwerklich Mods (Modifikationen) am PC verübt. Dabei werden Fenster in die Seitenteile eingebaut, Grafittis aufgesprüht oder leuchtende Lüfter und Netzteile eingebaut.
Aber von allen Äußerlichkeiten abgesehen kommt es doch, wie im wirklichen Leben, auf die inneren Werte an. Und einer dieser inneren Werte, dem wir in diesem Test unsere Aufmerksamkeit widmen, ist die Lautstärke. Was vor einigen Jahren noch gar kein Problem darstellte, entwickelte sich in der letzten Zeit zunehmend zu einem Ärgernis. So haben neue Hardwarekomponenten mit der immer größer werdenden Verlustleistung in Form von Wärme zu kämpfen und die einzige Idee, mit der die Hardwarehersteller dem zu Felde rücken, sind größere Kühlkörper und schneller drehende Lüfter, die schon heute lärmgeplagte User zum Wahnsinn treiben. Zwar gibt es viel versprechende Alternativen wie Wasser- oder Kompressorkühlungen, welche leise und leistungsfähiger sind, doch sind diese zum einen sehr teuer und zum anderen für den Massenmarkt zu aufwendig und komplex. Was nun wenn man nicht gegen die Ursachen vorgehen kann? Ganz einfach: man bekämpft direkt die Folgen und versucht, den Schall abzufangen. Eine Methode, dies zu erreichen, sind Schalldämm- oder auch Schallschluckmatten.
Die von uns getesteten Dämmmatten sind von den Herstellern Silentmaxx und Innovatek zu Sets gebündelt und jeweils so konzipiert, dass sie einen Computer komplett ausstatten. Eine weitere Gemeinsamkeit beider Produktangebote ist, dass alle Matten selbstklebend und bitumenfrei sind. Ersteres vereinfacht den Einbau, da auf den Gebrauch einer Heißklebepistole verzichtet werden kann. Letzteres bewirkt, dass die Matten nach dem Einbau nicht „stinken“, was eine unangenehme Begleiterscheinung von Bitumenpappe ist.
Beide Systeme sind für Miditower konzipiert, von Seiten Innovateks bekamen wir zudem noch die Bigtowererweiterung.
Zusammenfassung:
Silentmaxx wird vertreten vom proSilence® Basic Pack und setzt ebenfalls auf Noppen- und Weichschaummatten, von denen jeweils zwei vorhanden sind. Zudem findet man im Paket einen dritten Typ, mit dem der Hersteller der Geräuschkulisse zu Leibe rücken will. Es handelt sich um zwei Schwermatten, die, auf die Seitenteile geklebt, den Körperschall durch Schwingungen des Gehäuses minimieren sollen. Erfreulicherweise bestätigt sich die mit dem Namen suggerierte Gewichtsmaßnahme nicht, denn die Masse lässt sich auf keinem Fall mit Bleimattenlösungen vergleichen, welche von anderen Herstellern angeboten werden. Außerdem findet sich in der Verpackung noch ein drittes Schwerfolien-Utensil: ein dünner, 1,5 cm breiter und 50 cm langer Streifen, der um den Laufwerkskäfig geklebt wird und dessen Vibrationen abfangen soll.
Sowohl im Silentmaxx- als auch im Innovatek-Set sind nette Beigaben zu entdecken. So war im proSilence-Kit ein Cuttermesser enthalten, welches selbst die Schwermatten gut schneidet und ein Anzeichen dafür ist, dass man sich hier Gedanken gemacht hat, dem Käufer ein gut abgerundetes Paket anzubieten. Innovatek legte dem eigenen Paket zwei Tüten original Innovatek-Gummibärchen bei, von denen aber nur eine bis zum Fotoshooting überlebte und die andere sofort an unsere kritische Testabteilung weitergeleitet wurde – und das Kriterium sehr gut bekam! Allerdings sind wir uns nicht sicher, ob Innovatek diesem Service auch normalen Kunden zukommen lässt, oder man uns hier bevorteilt hat.
Bevor man beschließt, seinen PC zu dämmen, sollte man sich darüber bewusst sein, welche Komponenten die Geräuschkulisse zu verantworten haben. Typische Krachmacher sind CPU-, Gehäuse-, Netzteil- und Grafikkartenlüfter, wobei gerade letztere wegen ihres geringen Durchmessers besonders schnell rotieren müssen und dadurch ein hochfrequentes und mit unter sehr nerviges Rauschen erzeugen. Auch schnell rotierende Festplatten, die mit über 7000 Umdrehungen kreisen, erzeugen jede Menge Lärm. Doch wie finde ich heraus, welches die größte Lärmquelle ist?
Am einfachsten ist es, alle unter Verdacht stehenden Lüfter nacheinander einzeln zum Schweigen zu bringen und zu beurteilt, wann der PC am leisesten ist. Grafikkarten- und CPU-Lüfter werden mit leichtem Druck auf deren Motor, dem runden Element in der Mitte des Lüfters, stillgelegt, ohne dass man sich Sorgen machen muss, dass in der kurzen Zeit der Chip überhitzt. Nur grob ungeschickte Menschen mit dicken Knubbelfingern unterlassen diesen Test lieber.
Laute Gehäuselüfter kann man identifizieren, wenn man kurz deren Stromanschluss vom Mainboard entfernt. Eurer Festplatte hingegen solltet ihr nicht die Stromversorgung kappen oder die Drehbewegung abbremsen. Unschädlicher ist es, wenn ihr im Windows unter Systemsteuerung/Energieoptionen einen möglichst kleinen Wert für „Festplatten ausschalten“ (zum Beispiel drei Minuten) einstellt und dann lauscht, ob dabei ein großer Unterschied zu hören ist. Dies funktioniert nur, wenn kein Programm versucht, auf die Festplatte zuzugreifen.
Natürlich entfalten Dämmmatten nicht in jeder Umgebung ihre volle Wirkung. Netzteile und Gehäuselüfter werden zum Beispiel überhaupt nicht zum schweigen gebracht, da sie direkt Verbindung zur Welt außerhalb des PCs besitzen und sich nicht davon abbringen lassen, diese mit ihren Geräuschen zu versorgen. Die einzige Möglichkeit hier Abhilfe zu schaffen ist das Undervolten des Gehäuselüfters, indem man mit Hilfe eines Widerstands die Spannung von 12 Volt auf 9,7 oder 5 Volt reduziert (spezielle Adapterkabel hierfür sind im Fachhandel oder über Internetversand erhältlich) oder ein Austausch des Netzteils gegen ein leiseres oder gar passiv gekühltes Modell.
Ist nun nur der CPU- oder Gafikkartenlüfter an der Lärmbelastung schuld, ist es in den meisten Fällen besser, diesen zu ersetzen.
Tragen im PC hingegen beide Lüfter zusammen mit der Festplatte im harmonischen Einklang zur Geräuschkulisse bei, handelt es sich um einen perfekten Kandidaten für ein Dämmmattenset.
Beim Einbau des proSilence® Basic Pack sollte niemand Probleme haben, der sich eine Scheibe Brot abschneiden, die Salamiverpackung aufreißen, und sich letztlich Wurst auf seine Stulle legen kann. Zwar klingt das, als ob ich etwas vom Thema abweichen würde, aber genau nach diesem Schema gestaltet sich der Einbau. Mit dem beigelegtem Cuttermesser schneidet man sich die Bauteile passend zurecht, zieht die Folie ab und klebt die Materialien ins Gehäuse. Lineal und Stift können helfen, die Schnitte gerade und präzise zu führen. Messen ist dabei nicht nötig. Man muss die Matte nur ausreichend in das Gehäuse legen und auf der Folie mit zwei Markierungen die Richtwerte für den Zuschnitt erstellen.
Die Reihenfolge und örtlichkeit, in der man die jeweiligen Komponenten einkleben soll, ist ausführlich in einer Anleitung auf der Packungsrückseite erklärt. Demnach klebt man zuerst die Schwerfolie auf die Seitenteile und wiederum darauf die Noppen- und Weichschaummatten, wobei nur für die rechte Seitentür eine Weichschaummatte vorgesehen ist.
Alles in Allem sollte man gut 30 Minuten (und ein Getränk) für den Einbau einplanen und kann sich dann vom Ergebnis überzeugen.
Bevor ich hier zur Auswertung komme, will ich erst einmal die Ausgangkonfiguration beschreiben. In diesem PC existieren eigentlich keine richtig lärmenden Komponenten. Die CPU-Kühlung übernimmt Global Win Tak58, die Stromversorgung das recht leise Enermaxx EG465AX-VE-FMA. Auch der laute Geforce4TI-Lüfter wurde bereits durch ein leiseres Modell ersetzt. Die Festplatte drängt mit ihren 7200 Umdrehungen bei Zugriffen aber doch noch recht unangenehm in den Vordergrund. Im gedämmten PC hingegen ist von dieser nichts mehr zu hören, was man mit der vorhin bereits vorgestellten Testmöglichkeit gut überprüfen kann. Objektiv ist das System nicht viel leiser geworden (3,5 dB weniger), aber subjektiv ist der Unterschied deutlich hörbar und die Geräuschkulisse auf jeden Fall angenehmer geworden.
Noch vor dem Einbau stellte uns das Innovatek-Set vor enorme Probleme. Die enorme Dicke der Noppenschaummatten (2,5 cm) verhinderte den Einbau in den von uns auserwählten Test-PC, da zwischen Mainboardschlitten und der rechten Seitentür meist nur 1 cm Platz ist. Auch im Ausweich-PC bestand dieses Problem. Zwar hätte man diesen Gehäusepart auch ungedämmt lassen können, aber so hätten wir wahrscheinlich nicht das volle Potential des Sets austesten können.
Doch um laute Computer zu finden muss man glücklicherweise nicht lange suchen. Sie machen permanent auf sich aufmerksam. So meldete sich der Router-PC eines Teammitglieds (lautstark) zum Testobjekt. Zwar ist die einzige Lärmquelle dieses Altkomponentensammelsuriums der CPU-Kühler, den man wahrscheinlich einfach ersetzen könnte, doch stellt dieser PC eine sehr gute Herausforderung an unser Dämmmattenset.
Das Gehäuse entspricht dem alten AT-Standard dessen einziger Vorteil zu sein scheint, den Dämmmatten genug Platz zu bieten. Vom Prinzip her verläuft der Einbau genauso wie beim proSilence-Set. Zuerst maßnehmen, dann zuschneiden und einkleben. Doch hier braucht man ein Konzept, da es durch die große Dicke der Matten leicht passieren kann, dass man sein Gehäuse nicht mehr zu bekommt, da man sich an einer unpassenden Stelle um 1cm vermessen hat und nun entscheidende Stellen regelrecht verbarikadiert sind. Eine genaue Anleitung hat Innovatek nicht beigelegt, da man sowieso für sein Gehäuse ein individuelles Konzept machen muss.
Beim zuschneiden hat sich als vorteilhaft herausgestellt, zuerst die Rückseite anzuschneiden und somit die Matte halb zu trennen, sie dann umzudrehen und den Schaumstoff dann auch noch mit einigen Schnitten zu zertrennen. Bei der Positionierung ist wiederum meist die Dicke entscheidend, die an engeren Stellen nur den dünneren Typus zulässt. Insgesamt wurden für den Einbau etwa 45 Minuten benötigt, wobei allerdings zwei Personen damit beschäftigt waren.
Nach dem anstrengendem Einbau sind die Erwartungen an das Dämmmattenkit sehr hoch gesteckt. Da man in diesem Fall weder das Ausgangsgeräusch noch das Endergebniss treffend beschreiben kann, haben wir uns entschlossen, Ihnen die Chance zu geben sich selbst zu überzeugen.
Der Nutzen von Dämmmatten konnte in unserem Test klar bestätig werden und beide Testcomputer wurden spürbar leiser. Aber man sollte sich keine falschen Hoffnungen machen, man wird keinen PC ,der davon träumt ein Düsenjäger zu sein, völlig ruhig stellen können. Zudem haben Dämmmatten keine Auswirkungen auf Gehäuselüfter und Netzteile, die unbeeindruckt weiter Krach machen. Hier hilft nur eine Neuanschaffung. Falls ihr nun abwägt, euch eines dieser Produkte zuzulegen, solltet ihr eure Kaufentscheidung vom Platz in eurem Gehäuse abhängig machen, denn preislich liegen beide etwa gleichauf (Innovatek 30 € + 15 € Bigtowererweiterung und 35 € Euro für das Silentmaxx-Produkt) und besitzen die wichtigesten Dämmmatteneigenschaften – selbstklebend und geruchsfrei.
Allerdings ließ die Klebewirkung des Schwerfoliestreifens nach ungefähr zwei Wochen nach und er begann sich vom Laufwerkskäfig zu lösen. Da dieses Element des proSilence®-Packs aber keine Wirkung zu haben scheint, ließ es sich einfach entfernen, ohne dass dadurch die Festplatten lauter wurden.
Zum Schluss möchten wir besonderen Dank an die Herren Adre Landers (Innovatek) und Christian Kreide (Silentmaxx) richten, die uns freundlicher Weise Testsample ihrer Firmen zur Verfügung gestellt haben.