Playable.de Kolumnen

Was gibt’s Neues im Progamerz-Land?

„Was gibt’s Neues im Progamerz-Land?“ – mit dieser Frage grüßt unser Redakteur Thomas die Anwesenden im #progamerz-IRC-Channel seit geraumer Zeit. Die Frage richtete sich in erster Linie an den Patriarchen der Progamer, dazio. Den haben wir nämlich in einem fensterlosen Zimmer mit Wasser und Brot eingesperrt und an der Weiterentwicklung von progamerz.com werkeln lassen.

Alexander Francke
Kolumnist: Alexander Francke (alextm at progamerz.com)

Die Arbeiten an der neuen Website zogen sich länger hin als erwartet und machten es leider auch nötig, den Onlinebetrieb vorübergehend einzustellen.

Und mittlerweile sind die Progamer erwachsen geworden. Viele unserer Redakteure, mich eingeschlossen, haben die 18 überschritten und die Schule hinter sich gelassen. Und auch progamerz.com ist erwachsen geworden. Weniger verspielt, übersichtlicher, in einem freundlichen, neuen Design präsentiert sich die Seite. Nicht nur äußerlich hat sich was getan, nein, auch inhaltlich. Neue Bereiche haben Einzug gefunden. Eine große Spiele-Datenbank, eine Linksammlung zu Fansites, Release-Daten und Kolumnen, die das Geschehen mal von einem etwas anderen Standpunkt beleuchten. Die Liste ist lang, und eins sei bereits jetzt gesagt: sie wird in Zukunft nicht kürzer werden. Ein Projekt wie Progamerz.com ist vor allem mit viel zeitlichem Aufwand verbunden. Aufwand, der nicht von einigen wenigen Redakteuren alleine getragen werden kann. Aus diesem Grund suchen wir ständig nach neuen, kreativen Köpfen, die unser Team erweitern. Wenn sich einer unser Leser also zum Schreiberling berufen fühlt, Zeit und Erfahrung mitbringt, und ein Händchen für die Feinheiten der Deutschen Sprache hat, darf er sich aufgefordert fühlen, zu uns zu stoßen.

Progamerz ist also erwachsen geworden. – Nein, wir werden nicht zu einem Spießer-Magazin mit langweiligen, trockenen, nichts sagenden, am Thema vorbeigehenden Artikeln mutieren. Das überlassen wir unseren Kollegen von Giga.de, die zugegebenermaßen zwar nicht spießig, dafür aber umso inhaltsloser schreiben. Unserer Artikel werden genauso ehrlich und humoristisch bleiben, wie sie es auch vorher waren – wofür sonst haben wir denn unseren Chefredakteur Georg Holzapfel alias memdee. Nur, dass sie in einem ausgeklügelten, in ewigen Diskussionen in der Redaktion zur beinahen Perfektion zurecht geschliffenem Design daherkommen. Schöner, schneller, weiter. Klingt doof, ist es auch, entspricht aber grob den Tatsachen. Mitunter sind wir nicht mehr fertig geworden, dazio auf die Schulter zu klopfen. Vermutlich hat der arme Junge schwerwiegende Haltungsschäden davongetragen. Aber genug des Eigenlobes.

An dieser Stelle ist es wohl auch mal Zeit für ein Versprechen: sollte Progamerz jemals Artikel veröffentlichen, die einem Titel nicht gerecht werden, sollten wir uns in nichts sagenden Floskeln verlieren, sollten wir einfach die Pressemittelungen der Publisher kopieren und als „Review“ veröffentlichen, oder aus taktischen Gründen einem Titel nicht die Wertung geben, die er verdient, dann werden wir aufhören. Wieso? Weil wir uns es zur Aufgabe gemacht haben, korrekt und informativ zu sein. Wir wollen mit reinem Gewissen schreiben, und Spaß daran haben. Versprochen.

Das ist kein Versprechen, wie es Politiker geben, sondern eines, das Spieler Spielern machen. Schließlich verbürgen wir uns nicht dafür, dass die Arbeitslosenzahlen sinken oder die Ökosteuer wirklich dem Umweltschutz zu Gunsten kommt, sondern für etwas eigentlich ganz Selbstverständliches: aufrichtige und ehrliche Berichtserstattung nach bestem Wissen und Gewissen. Aber auf was sollte man bei so etwas schon schwören? Auf das Handbuch von Unreal Tournament, das mittlerweile ähnlich wie Fifa im Jahrestakt erscheint? Oder doch lieber auf die Korrektheit der 3DMark-Benchmarks? Ok, das geht durch, zumindest, wenn man keine Nvidia-Karte besitzt. Oder auf doch Duke Nukem? Na ja, dann schon eher auf Doom 3, denn das ist mittlerweile nicht mehr nur ein Gespenst.

Aber Moment mal – haben Spieler überhaupt Ehre? Gibt es so etwas we einen Ehrenkodex für CS-Kiddies? Ja, gibt es. Man nennt ihn „Punkbuster“. Aber auch der kann nicht verhindern, dass Mitspieler, die mit dem Gesicht zur Wand in einer Ecke stehen, also signalisieren, dass sie kurzzeitig pausieren, genüsslich gemessert werden. Also sollten wir uns dann doch lieber an höhere Instanzen halten, wenn wir auf etwas schwören wollen.

Früher war das einfach, da konnte man sich pauschal auf Gott und Vaterland vereidigen und fuhr damit recht sicher. Heute muss man sich dann schon Götzenbilder suchen. Knien wir also nieder vor unserem Quake-Logo Schrein und schwören auf John Carmack. Oh, sind Minderjährige anwesend? Ihr müsst leider draußen bleiben, tut mir Leid. Aber ihr könnt ja dann zu Elke Monssen-Engberding, Vorsitzende der BPjM, oder auf die deutsche Version von Far Cry schwören. Huch, da war ja auch was … Crytech nahm es ja angeblich nicht ganz so ernst mit dem geistigen Eigentum anderer. Böse, böse.

Meine Güte, wir Spieler haben es schon schwer. Gibt es denn nix mehr, auf das man sich verlassen kann? Eigentlich ist ja nur noch eines sicher: das nächste Bulletin von Microsoft beziehungsweise das nächste Hotfix im Linux-Kernel. Schwören wir also auf den Fehlerteufel. Ob personifiziert in Gestalt von Billy Boy Gates oder Linus Torvalds, oder als gestaltlose, metaphysisches Wesen, ist dann ja auch egal.

Ach ja, fast hätte man es übersehn: auch die Tux-Anhänger etablieren sich in der Spielergemeinde. UT 2004 zum Beispiel ist sowohl als Windows- als auch Linuxvariante auf der DVD. Gerüchteweise sollen zwischenzeitlich sogar die ATI-Treiber für X11 innerhalb von 3 Stunden funktionsfähig sein. Was kommt denn dann als nächstes, bitte schön? Gut, wir hätten da ja noch die Fans von Mac-„Oh mein Gott (welcher eigentlich?), ist das bunt und teuer“-OS, die sporadisch von Zeit zu Zeit mit Portierungen von (älteren) Spielen beglückt werden. Aber da die faulen Äpfel sowohl Windows- als auch Linuxnutzern fast noch suspekter als Konsolenspieler sind, lassen wir die jetzt mal außen vor.

Linux wird also gesellschaftsfähig. Früher durfte es ja nur für die Dedicated Server herhalten, jetzt wird es selbst zur Spieleplattform. Währendessen versucht Microsoft mit Rundum-Glücklich-(Knebel-)Verträgen, Linux im umkämpften Servermarkt den Rang abzulaufen.

Ganz nebenbei schleicht sich der PC immer mehr aus den Kellern und Kinderzimmern ins Wohnzimmer. Der PC von heute ist ein „multimedialer Alleskönner“, die vier Wände werden zum „digital home“. Und auch die, die sich ganz analog abends bei Kerzen und Wein auf der analogen Couch zusammenkuscheln, lauschen den Klängen ihres „entertainment centers“. Wer sich heute noch vor dem Videorekoreder krault, wird also in Zukunft schlechte Karten haben. Spätestens wenn die Kaffeemaschine dann blaue Suppe mit Buchstabennudeln, die die Worte „Schwerer Ausnahmefehler“ formen, ausspuckt, werden wir dankbar sein.

Solang bleibt zu hoffen, dass Microsoft über die Xbox stolpert. Hier haben sich die Strategen nämlich verkalkuliert – die hat größte Absatzschwierigkeiten, vor allem in der Höhle des Sony-Löwens, Japan. Dabei hat sich Microsoft doch größte Mühe gegeben: PC-Technik verbaut, um den Entwicklern die Umstellung zu erleichtern, dann den Entwicklern auch noch großzügig finanziell unter die Arme gegriffen (was das praktisch bedeutet, sieht man an Beispielen wie Halo oder dem Designergenie Peter Molyneux) und kräftig Werbung gemacht. Auf der GC 2003 gab es wenige, die keine mit Give-Aways gefüllte Xbox-Tüte in den Händen hielten. Die GC, das deutsche Mekka und kleine Pendant zur kalifornischen E3, wird auch dieses Jahr wieder alle Besucherrekorde sprengen, soviel lässt sich schon jetzt absehen. Und auch dieses Jahr werden wir wieder mit einem Team die GC unsicher machen und euch von den interessantesten Neuerscheinungen berichten.

Gleichzeitig wird die diesjährige GC auch die Feuertaufe für den Neuzugang bei den Progamern: Daniel Herde alias greebo (ehermals MEUser) verstärkt das Review-Team um Chefredakteur memdee.
Es hat sich also viel getan in dem letzten halben Jahr. Trotzdem – denkt dran, Kinder: PROGAMERZ – Wir haben die leckersten Kekse!

Donnerstag, 15. Juli 2004
Kommentare
Bisher keine Kommentare.
Kommentar hinzufügen
Playable.de – Kompetent bis zum letzten Atemzug.

?