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Schulnote 2

Die Sims 2 übertrifft den Vorgänger zweifelsohne um Längen. Vor allem … weiter

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Die schönsten Geschichten schreibt bekanntermaßen immer noch das Leben. Vielleicht ist gerade deswegen Die Sims das erfolgreichste Spiel aller Zeiten – und wohl das mit den meisten Add-ons. Ganze sieben Erweiterungen erschienen für den Titel, die wirklich sämtliche Bereiche des Lebens abdecken – vom Urlaub bis hin zum Stardasein. Es wurde also höchste Zeit einen völlig neuen Titel zu entwickeln.

Dieser unterscheidet sich im grundsätzlichen Spielprinzip kaum vom Vorgänger: Der Spieler steuert die Geschicke eines Simshaushalts und versucht, ihnen ein schönes Leben zu bescheren. Während im Vorgänger hauptsächlich die Bedürfnisse der Sims im Vordergrund standen, haben sie nun bestimmte Wünsche, die es möglichst zu erfüllen gilt, und Ängste, zu denen man tunlichst den Kontakt vermeiden sollte. Die Bandbreite reicht dabei von so einfachen Dingen wie „Sessel kaufen“ über „Ersten Kuss erleben“ bis hin zu schon schwierigeren Aufgaben wie „Eine Fähigkeit maximieren“. Bei erfülltem Wunsch erhält der jeweilige Sim Laufbahnpunkte, die seine beruflichen Leistungen verbessern und ihn zufriedener machen.

Aber Vorsicht: Wird ein Sim mit einer seiner Ängste konfrontiert – z.B. ein Feuer bricht aus oder die Angebetete lehnt das Techtelmechtel ab – verliert er Laufbahnpunkte. Hat man genug von diesen Punkten gesammelt, kann man nützliche Extragegenstände wie einen Geldbaum oder ein Lebenselixier kaufen. Sowohl Wünsche als auch Ängste ändern sich mit jedem neuen Tag. Das sorgt für Abwechslung und Dynamik im Spielablauf – einen Wunsch kann man allerdings fixieren. Das ist fair, da man teilweise lange auf die Erfüllung hinarbeiten muss.

Neben dieser neuen Laufbahnanzeige gibt es auch die bekannten Bedürfnisse, die von den Sims nun erstaunlich gut selbständig erfüllt werden. Bei übermäßig hohem Harndrang geht der Sim nun schon selbst auf die Toilette oder kocht sich selbständig etwas, wenn er Hunger hat – das nimmt ständige Standardaufgaben ab und lässt dem Spieler Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des (Spiele-)Lebens. Zusätzlich kann man auch eine Haushaltshilfe engagieren, die sich ums Aufräumen und Saubermachen kümmert.

Übung macht den Meister

Das gesamte Spiel wird bequem mit der Maus gesteuert: Einfach Sim wählen, Gegenstand anklicken und Aktion wählen – genial einfach! Genauso leicht fällt der Bau ganzer Häuser. Diese können von Grund auf neu errichtet und eingerichtet werden. Der komfortable Baumodus ermöglicht dabei problemloses Setzen von Mauern und Fenstern. Ebenso problemlos funktioniert das Einrichten des Hauses. Zahlreiche Gegenstände von verschiedenen Lampentypen über Dutzende Sesselarten, Küchengeräten, Bildern, Pflanzen bis hin zu Fernsehern und Flipperautomaten lassen keine Wünsche offen. Teurere Gegenstände stellen die Bewohner dabei meist zufriedener; ein Plasmafernseher macht nun mal mehr her als ein spartanisches Röhrenmodell.

Das Benutzen von bestimmten Gegenständen verbessert zudem Fähigkeiten, wie beispielsweise Kochen, Mechanik, Charisma oder Logik. Wer etwa lange genug am Schachbrett sitzt, wird mit Logikpunkten belohnt, Sims die ständig das Abendbrot zubereiten dagegen mit Kochpunkten und dem Erlernen neuer, anspruchsvollerer Gerichte. Diese Punkte haben auch durchaus ihren Sinn: Besonders im Berufsleben stellen Jobs, die mehr Geld einbringen höhere Anforderungen an die Fähigkeiten der Sims. Jobs erhält man jederzeit aus der Zeitung oder online mit Hilfe eines Computers. Eine Anzeige informiert darüber, wie gut ein Sim seine Arbeit verrichtet. Erscheint er stets mit erfüllten Bedürfnissen und einem hohen Laufbahnwert und hat zudem alle Fähigkeiten erfüllt, steht wahrscheinlich in Kürze eine Beförderung und damit mehr Lohn an. Das Spektrum der Berufe ist dabei breit gefächert: Vom Wissenschaftler über einen Dieb bis hin zum Wachmann ist für jede Fähigkeit etwas dabei.

Vom Baby zum Greis

Die Sims durchlaufen nun ganz bestimmte Lebensstationen. Vom Säugling über Kind, Teenager und Erwachsenen führt der Lebensweg schließlich zum Senior und anschließend zum unvermeidbaren Tod. Spätestens dann sollte man für Nachwuchs gesorgt haben, wenn man weiterhin in dem mühsam errichteten Haushalt spielen will. Nettes Detail: Der Nachwuchs hat sichtlich die Merkmale und auch Charaktereigenschaften der Eltern.

Jede Alterstufe hat eine festgelegte Anzahl an Sims-Tagen. Allerdings kann der Tod jederzeit eintreten, z.B. durch Verhungern oder einen Brand im Haus. Wird ein Sim zum Teenager, muss man ein Lebensziel festlegen. Zur Auswahl stehen Ruhm, Familie, Glück und Reichtum. Die Wünsche richten sich fortan zu einem großen Teil nach dem Lebensziel, aber auch nach dem Alter. Das Kleinkind möchte gern Laufen lernen, der Teenager seinen ersten Kuss erleben und der Greis noch ein Techtelmechtel vor seinem Ableben haben.

Liebe, Hass und Intrigen

Im Vordergrund des Spiels stehen natürlich die zwischensimsischen Beziehungen. Je nachdem wie gut sich zwei Sims leiden können, stehen dem Spieler verschiedene Aktionen zur Verfügung. Sehen sie sich zum ersten Mal, ist selbstverständlich nicht sofort ein leidenschaftlicher Kuss drin. Anfangs ist vorerst nur Plaudern möglich, um sich erstmal näher kennen zu lernen. Eine übersichtliche Anzeige, verrät wie gut der jeweilige Sim seine Bekannten ausstehen kann. Kommt man gut miteinander aus, wird man zu Freunden; kommt man besser miteinander aus, sogar zum Liebespaar. Gemeinsame romantische Nächte werden dabei eher unspektakulär dargestellt – eine Peep-Show wie in Singles bekommt man nicht geboten.

Besonders interessant und spaßig sind vertrackte Situationen wie sie in jeder mittelmäßigen Soap vorkommen. Wenn der Ehemann zum Beispiel auf einer Party ein Auge auf ein junges Ding geworfen hat und etwas intimer mit ihr wird, passiert erstmal nicht viel. Kommt aber zufällig die Frau hinein, hängt der Haussegen erstmal gehörig schief und einige Gespräche sind nötig, um das Techtelmechtel wieder gut zu machen. Genauso spaßig ist es die Beziehungen eines wahren Frauenhelds zu steuern. Man muss sich schon geschickt anstellen, um beim Flirten nicht von einer anderen Liebhaberin erwischt zu werden. Dann gibt’s zum Einen Ohrfeigen der Verschmähten und Zickenterror (oftmals in Form einer herrlich animierten Rauferei) zwischen den beiden Liebhaberinnen.

Auf nach Merkwürdighausen!

Die Entwickler haben zahlreiche vorgefertigte Szenarien eingebaut. Diese verteilen sich auf drei Städte, deren komische Namen wohl einem akribisch korrekten Übersetzer zuzuschreiben sind. Während Schönsichtingen ein idyllischer Ort ist, passieren in Merkwürdighausen allerlei mysteriöse Dinge. So bekommt ein Mitglied einer Männer-WG bestehend aus drei Personen anfangs des Szenarios ein Alienkind, um das sich fortan zu kümmern gilt. Veronaville hingegen erinnert stark an Romeo und Julia – es herrscht ein erbitterter Kampf zweier Familien. Die Szenarien sind zwar teilweise herrlich schräg und sehr abwechslungsreich, doch am eigentlichen Spielziel und -prinzip ändert sich dennoch nichts.

Dies war die größte Schwäche des Vorgängers, die nun dank des Wünschesystems ein wenig verbessert, aber längst nicht ausgemerzt wurde. Auch die Wünsche wiederholen sich nach einiger Zeit und ihre Erfüllung wird zur Routine. Dennoch gibt es im gesamten Spiel enorm viel zu entdecken und eine Menge zu tun: Das Benutzen neuer Gegenstände, das Optimieren der eigenen Fähigkeiten, Streben nach einem guten Job und vieles andere halten den Spieler ziemlich lange bei Laune. Und wenn man von einem Haushalt mal genug hat, wählt man sich entweder einen anderen vorgefertigten aus, lädt jemanden ein einzuziehen oder erstellt von Grund auf ein eigenes Haus und richtet dies vollständig ein. Dies macht aufgrund der zahlreichen Bau- und Ausstattungsmöglichkeiten eine Menge Spaß.

Ebenfalls Spaß machen die Zwischenszenarien: Veranstaltet man etwa eine Party, so bewertet das Spiel, inwiefern sie gelungen ist – durch Gespräche, Tanzen und Essen kann man diesen Wert steigern. Ein weiteres Beispiel: Im Direktorszenario kommt der Leiter einer teuren Privatschule zu Besuch. Ist er zufrieden, kann der Sims-Teen fortan kostenlos die Nobelschule besuchen. Die Zufriedenheit richtet sich dabei nach einem Punktewert, der sich aus den Kategorien Führung durchs Haus, Konversation und Essen zusammensetzt. Solche Situationen sind willkommene Abwechslungen zum Alltagssimsstress.

Grafik und Sound gelungen

Die Grafik von Die Sims 2 weiß auf Anhieb zu gefallen. Die frei drehbare und stufenlos zoombare Kamera offenbart auch ganz nah am Geschehen keine Grafikschwächen. Das Zubereiten von Mahlzeiten oder Reparieren von Gegenständen ist ausführlich und realistisch animiert – man kann sogar jeden einzelnen Schritt des Pfannkuchenzubereitens nachvollziehen.

Die Sims haben nach wie vor ihre eigene Sprache und auch die stimmige Musik enthält Lyrics in simsisch. Das stört kaum – im Gegenteil, es macht die kleinen virtuellen Figuren irgendwie noch symphatischer. Oftmals glaubt man sogar etwas auf deutsch oder englisch verstanden zu haben.

Die Sounduntermalung ist durchgehend passend und sehr umfangreich. Jede Aktion hat neben ihrer eigenen Animation auch das typische Geräusch.

Thomas Buder (thomas at progamerz.com)
Samstag, 2. Oktober 2004
Playable.de – Lord of the News.

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