Doom 3
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Als die ersten Screenshots und der MacWorld-Trailer im Jahre 2001 zu sehen waren, konnte man kaum glauben, dass diese schier unglaublich aussehende Grafik wirklich die In-Game sein sollte. Nun sind über drei Jahre vergangen und die Konkurrenz hat nicht geschlafen. So ist mit Far Cry ein deutlicher Konkurrent für Doom 3 erschienen, der sowohl Innen- als auch Außenlevels grafisch beeindruckend darstellte. Und hier scheiden sich die Welten: Wo Far Cry mit fantastischen Außenlevels aufwarten kann, bleibt Doom 3 zurück. Doch wenn es einen Sieger für architektonisch hoch komplexe und detaillierte Innenlevels geben sollte, dann wohl Doom 3.
Für eingefleischte Doom 3-Fans dürfte das zwar kaum etwas ausmachen, dennoch ist es für den normalen Durchschnitts-FPS-Spieler von Bedeutung, Abwechslung ins Level-Arsenal zu bringen. Hier liegt es am Spieler selbst; entweder er kann damit leben, oder er sollte sich zweimal überlegen, sich Doom 3 zu kaufen. Dennoch sei nochmals erwähnt, dass die Innenlevels wirklich nicht langweilig sind und id Software erfolgreich versucht hat, das Beste aus den Levels rauszuholen.
Das Spiel ist überhaupt erst mit einer Geforce 3 oder 4 MX spielbar, um sie wirklich genißen zu können sollte es aber schon eine DirectX 9-Grafikkarte sein. Doom 3 setzt vor allem auf Bump-Mapping und Licht-/Schatten-Effekte, wobei letzteres der beste Teil der Engine ist und damit für eine unglaublich realistisch wirkende Umgebung sorgt. Das Einzige, was negativ im Test aufgefallen ist, sind die Texturen, die etwas unscharf werden, wenn man sich Objekten bis auf ein paar virtuelle Zentimeter nähert, bei Wänden auch schon eher.
Der Sound ist das beste was es bis jetzt auf dem PC gegeben hat, sofern man eine Soundkarte besitzt, die Dolby Digital 5.1 dekodieren kann, und das dementsprechende Soundsystem in seinem Zimmer stehen hat. Hier zischt und knallt es aus allen Lautsprechern und vor allem, wenn man durch die dunklen Levels, nur mit der Taschenlampe „bewaffnet“, langsam durchläuft und von hinten dann undefinierbare Geräusche zu hören sind, man sich umdreht und nichts erkennen kann. Dass Erzittern und Erschrecken ist somit garantiert und trägt ungemein stark zur Atmosphäre bei. Für jeden, der das wahre Potential der Doom 3-Horror-Welt kennen lernen will und noch kein 5.1-System sein eigen nennt, ist ein solches Sound-System Pflichtkauf. Die Sprachausgabe, sowie alle Texte im Spiel sind englisch und werden auch für die auf dem deutschen Markt vertriebene Version nicht übersetzt. Das ist zwar an und für sich nicht so schlimm, da in Doom 3 hauptsächlich nur geballert werden muss, dennoch verliert man einen großen Teil der Hintergrundgeschichte, wenn man des Englischen nicht fähig ist.
Viele der Gegner sind schon aus den Doom-Vorgängern bekannt. Die zu Zombies mutierten Marines, die abgemagerten Zombies, die den Spieler gerne in Flammen aufgehen lassen, die mit Feuerbällen werfenden Imps, die mutierten Riesenschweine und die riesigen Hell Knights, die zwar nicht so geläufig im Spiel sind, dafür aber viele Treffer brauchen, bevor sie endlich zu Boden gehen. Neue Gegner, wie z. B. die umgedrehten Köpfe mit ihren Spinnenbeinen (The Thing lässt grüßen), die sich durch ihre Schritte, wie als wenn man mit Fingernägeln auf den Tisch klopft, ankündigen oder Zombies, die mit rasenden Tempo auf den Spieler zu rennen und versuchen, ihn mit einer Kettensäge auszulöschen. Ab und zu trefft ihr auch auf Zwischengegner, bei denen es auch so was wie taktisches Vorgehen bedarf und man erst herausfinden muss, wie man diese besiegen kann.
Insgesamt lässt die Gegnervielfalt ein bisschen zu wünschen übrig.
Ein weiterer negativer Aspekt mag die KI sein, da diese so gut wie nicht vorhanden ist. Nach einigen Stunden kennt man die Taktik der Gegner in und auswendig und stellen daher keine neuen Herausforderung dar. Entweder wollte id Software nur einen reinen klassischen Baller-Shooter oder sie hatten anscheinend nicht die Zeit, die KI noch sinnvoll zu verbessern. Die erste Variante ist wahrscheinlicher. Und es mag auch Geschmackssache sein, trotzdem wäre es bestimmt nicht verkehrt gewesen, die Gegner nicht immer auf die gleiche Weise angreifen zu lassen.
Splatterfreunde werden bei Doom 3 enttäuscht. Dem Spieler wird kaum eine Möglichkeit gegeben, die Gegner nach ihrem Ableben nachträglich zu „bearbeiten“, denn die Untoten platzen in den meisten Fällen einfach auseinander. Dieser Vorgang ist aber wiederum so spektakulär und mit Liebe zum anatomischen Detail animiert, dass die Ekelgrenze einiger Spieler schon überreizt und in den meisten Fällen wenigstens erreicht sein dürfte.
Was wäre ein Ego-Shooter ohne einen Multiplayer-Modus? Wenn dann nach ca. 15 bis 20 Stunden der Singleplayer-Modus durch ist, gibt es immer noch die Möglichkeit, sein Können im Internet oder im LAN zu beweisen. Doch da schaut es mehr als dürftig aus: Zugegeben, die Karten sind nicht schlecht, aber es gibt gerade mal sechs verschiedene. Und von den altbekannten Modi wie Deathmatch und Team-Deatmatch lassen sich die meisten Spieler wohl auch nicht ewig fesseln; nicht einmal Capture the Flag oder etwas Vergleichbares ist dabei. Da hilft auch kein Turnier-Modus, um dieses Manko wieder auszugleichen. Hinzu kommt noch, dass im Multiplayer maximal nur vier Spieler gleichzeitig spielen können. Mod-Entwickler können dieses Limit aber erhöhen.
Auch der Coop-Modus ist weggefallen und nun ausschließlich für die Xbox geplant. Was id zu diesem Schritt bewegt hat, weiß man nicht. Die frei erhältliche Coop-Mod ist jedenfalls noch nicht das Gelbe vom Ei.
Fairerweise muss man aber sagen, dass id Software nie einen komplexen Mehrspielermodus versprochen hat. Weiterhin kann man nach dem Release des SDK auf zahlreiche Maps und Mods aus der Community hoffen. Dass das Spiel bei der recht großen Quake- und Doom-Community noch ein recht langes Leben vor sich hat, steht also außer Frage.{split}
Moritz Wanke (mondblut at progamerz.com)