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Schulnote 3

Jetzt, da ich „Matrix Reloaded“ gesehen habe, verstehe ich auch die … weiter

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Es wurde viel spekuliert um Enter the Matrix. Die ersten Gerüchte tauchten schon vor fast drei Jahren im Netz auf. Mit 20 Millionen US-$ Produktionskosten ist es das teuerste jemals außerhalb Japans entwickelte Spiel (das Sega-Spiel Shenmue hält mit 70 Millionen US-$ weiterhin den Thron). Das lohnt sich nur, weil ETM gleich auf vier Systemen erscheint: PC, PS2, Gamecube und Xbox. Und auch der Name des Entwicklers lässt Großes, genauer gesagt Brutales erhoffen: Shiny, die Firma von Designerlegende Perry, zeichnet sich verantwortlich für das Bombastprojekt.
Was Enter the Matrix wirklich taugt, erfahrt ihr hier.

What is the Matrix?

Eins sei vorweg gesagt: wer noch nie mit der Matrix in Berührung gekommen ist, sollte auch die Finger von Enter the Matrix lassen. Man wird mit der ersten Missions völlig ins kalte Wasser geworfen. Wer sich jetzt noch die Frage „What is the Matrix?“ stellt, der steht im Wald und bleibt dort auch.

Der Rest findet sich irgendwo zwischen „The Matrix“ und „Matrix: Reloaded“ wieder. Nach Abschluss der ersten Mission erfährt man Genaueres: es gilt eine Diskette aus einem Postfach zu holen. Auf dieser befindet sich der Notruf der Orsiris, die in der realen, von intelligenten Maschinen beherrschten Welt die Entdeckung machen musste, dass die Maschinen nach der letzten, tief unter der Erdoberfläche verborgenen, menschlichen Stadt Zion graben. Das wird dem Spieler aber nur am Rande und sehr schemenhaft verraten. Wer genaueres wissen will, der muss sich schon die „Animatrix“-DVD kaufen, auf der unter anderem der Kurzfilm „The Final Flight of the Osiris“ zu sehen ist, welcher genau das erzählt.

Später sieht man sich dann mit Handlungsfetzen aus „Reloaded“ konfrontiert, da sich die Handlungsstränge von Spiel und Film zum Teil überschneiden. Wenn man nun wiederum „Matrix: Reloaded“ nicht im Kino gesehen hat, sind die kleinen aber feinen Details der ETM-Story unverständlich. Was zum Beispiel haben Vampire in der Matrix verloren? Und wer oder was ist der Merowinger? Und warum gibt es auf einmal so viele Agent Smiths? Das alles bleibt im Dunkeln.
Das klingt jetzt nicht nur etwas konfus, das ist es auch.

Matrix-Produzent Joel Silver dazu: „Die Absicht war, die Stars des Films in Nebenrollen im Spiel auftreten zu lassen, in einer Handlung, die den Film ergänzt, so dass der Spieler das Gefühl hat, er sei Teil des Filmerlebnisses.“ Um das sicherzustellen, haben die Regisseure der Matrix-Trilogie, die Wachowsky-Brüder, eigens für das Spiel ein 244 Seiten langes Skript geschrieben. Die Filmcrew lieferte etwa eine Stunde eigens für ETM gedrehte Zwischensequenzen und half auch bei den Ingame Cutscenes mit, die zusammen ebenfalls etwa eine Stunde lang sein dürften. Diese Art der Vermarktung eines Films könnte man jetzt als Konsumverschränkung interpretieren, allerdings ist die Welt der Matrix nun mal hoch komplex. Fans dürfen sich also die Hände reiben.

Die Story

Gleich zu Beginn wird man vor die Qual der Wahl gestellt. Man kann das Spiel mit zwei unterschiedlichen Charakteren bestreiten. Zur Wahl stehen Niobe, Captain der Logos und die beste Fahrerin in der Matrix, und Ghost, seines Zeichens Waffennarr und eher fürs Grobe zuständig.

Das Alter Ego sollte gut gewählt werden. Niobe und Ghost haben je eine eigene Handlung, die sich zwar an Knotenpunkten berühren, sonst jedoch recht unterschiedlich sind. Als Niobe zum Beispiel muss man öfter mal das Lenkrad in die Hand nehmen, darf später auch die etwas größeren Vehikel steuern und ist eher auf Nahkampf fixiert. Als Ghost muss man aus fahrenden Autos heraus schießen oder für Niobe den Weg frei snipern. Leider sind die beiden Handlungsstränge doch recht ähnlich strukturiert, so dass die Motivation, das Spiel auch ein zweites Mal zu spielen, recht gering ausfällt.

Die beiden Charaktere haben eigene Zwischensequenzen, die die Handlung aus unterschiedlichen Standpunkten beleuchten. Der Hauptaspekt der Handlung ist dann aber recht schnell erklärt: man soll dem Auserwählten beim beschreiten seines Pfades unter die Arme greifen. Neo selbst zeigt sich wenig dankbar und ist nur einmal für Bruchteile einer Sekunde in einer Zwischensequenz zu sehen, soviel sei bereits verraten.

In der Matrix

Als im Jahre 2001 Max Payne erschienen ist, staunte so ziemlich jeder über die coolen „Matrix-Moves“. Gemeint ist der „Bullet Time“-Effekt, der die Zeit verlangsamt und somit das Zielen vereinfacht und es möglicht macht, tödlichen Schüssen einfach auszuweichen.

Dass ETM in diesem Bezug Max Payne um nichts nachsteht, sollte allein durch die Matrix-Lizenz gesichert sein.
Die Steuerung von ETM ist denkbar einfach gestaltet. Die linke Maustaste teilt Schläge aus, die rechte Tritte. Kombiniert mit einer Bewegungsrichtung lassen sich so schon ganz gut Gegner aufmischen. Größere Rudel werden mit Waffengewalt ausgeschalten.
Das Arsenal bietet nur wenige Überraschungen. Der taktische Vorteil der richtigen Waffenwahl ist gering, da nach zwei bis drei gut gezielten Schüssen eh alle Widersacher ins virtuelle Gras beißen. In Wirklichkeit muss man nicht mal gut zielen, weil es in ETM ein ungewöhnlich starkes Autoaim gibt. Alles andere wäre bei der für Konsolentitel üblichen, arg schwammigen Steuerung gar nicht möglich. Deshalb sucht man auch ein Fadenkreuz umsonst.

Wird’s trotzdem mal brenzlig, hilft der Fokus weiter. In der englischen Originalfassung hieß das „Focus“, frei übersetzt „Konzentration“. Das trifft die Wirkung auch schon eher, denn durch aktivieren des Fokus wird ETM erst zu dem was es sein sollte: eine Matrix-Umsetzung.

Free your Mind

Der Fokus wirkt sich auf das gesamte Spieldesign aus. Alles läuft in Zeitlupe ab. Das Bild wirkt heller, leicht geblurt. Die Schemen verwischen etwas. Die Flugbahnen von Kugeln sind sichtbar, so dass man besser „zielen“ und sogar Geschossen ausweichen kann. Bei Zweikämpfen im Focus bekommt man die mit Abstand coolsten Moves zu sehen, die die Matrix zu bieten hat. Leider hat man genau auf diese überhaupt keinen Einfluss. Man steuert die Kung-Fu-Kenntnisse des Rebellen nach wie vor mit den beiden Maustasten. Der Rest wird automatisch, abhängig von Charakter und der Umgebung, aus einer angeblich 3500 Animationen umfassend Datenbank gewählt. So läuft Niobe erstmal ganz lässig eine Wand hoch, bevor sie sich abstößt und in einer schick anzusehenden Drehung einem Cop das Zentrale Nervensystem aus dem Schädel tritt. Der schwebt dann theatralisch in Zeitlupe durch den Raum und knallt mit dem Rücken gegen eine Wand. Das klingt genau so schmerzhaft wie es vermutlich auch ist, ist deshalb auch äußerst effektiv und spart Munition. Enter the Matrix ist nun mal ein bunter Mix aus Max Payne und einen Beat’em up wie Tekken.

Ebenfalls vertreten im Focus sind das einhändige Rad und der extrem lange Sprung, mit dem man über die Dächer der Matrix segelt.
Man verfügt im Spiel nicht über unendlich viel Fokus, sondern muss ihn intelligent einsetzen, um nicht irgendwann in Mitten von Gegnern ohne selbigen dazustehen.

Shiny hat um die Kampfanimation richtig viel Aufwand getrieben und aufwendige Motion-Captureing-Aufnahmen gemacht. Dabei scheint man die Laufanimationen vergessen zu haben, denn ausgerechnet die sehen mehr als bescheiden aus. Das gilt ebenso für die Kletteranimation.

Hinterm Steuer

Shiny hätte besser die Hände von den Autoszenen lassen sollen. Das Steuern der Autos ist alles andere als ein Vergnügen, die Kameraperspektive völlig misslungen: die Kamera hängt zwischen Fahrer und Beifahrer und liefert äußerst unübersichtliche Bilder.

Playable – Nur echt mit 52 Zähnen!

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