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Schulnote 2

Der größte Vorteil von Evil Genius ist ganz klar das unverbrauchte … weiter

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Weit entfernt von jeglicher Zivilisation auf einer scheinbar verlassenen Südseeinsel tummelt sich außer vereinzelten Touristen und Palmen nicht viel. Doch der Schein trügt: Tief unter einem Felsen (Dungeon Keeper lässt grüßen) befindet sich eine riesige Schaltzentrale, von der aus man – wohl inspiriert von Dr. Evil aus „Austin Powers“ – als einer der drei wählbaren Bösewichten die ganze Welt erobern will. Klingt ziemlich abgedreht, und genauso spielt es sich auch.

Anfangs gilt es erst einmal elementare Räume wie z.B. Baracken zu errichten. Wer die Welt erobern will, braucht natürlich gefügige Untertanen; um möglichst viele von denen engagieren zu können, baut man Betten und Spinde. Einfache Arbeiter stoßen automatisch zu der kriminellen Organisation. Herrscht Personalnot, kann der Zeitabstand verringert werden, dafür muss man allerdings extra zahlen. Später können sie zu Kammerdienern, Sicherheitspersonal oder Technikern ausgebildet werden – jeder hat seine individuellen Vor- und Nachteile.

Herz des Spiels: Die Weltkarte

Hat man ein Kontrollzentrum und das zugehörige Equipment errichtet, kann man auf der Weltkarte seine Untertanen rund um den Globus verteilen. Dieser ist dabei in verschiedene Gebiete eingeteilt, die sich in Überwachung und Geldvorkommen unterscheiden. Man hat die Möglichkeit, drei verschiedene Aktionen in den Gebieten durchzuführen: Verstecken, um von Gesetzeshütern nicht entdeckt zu werden (ansonsten verliert man die Einheiten), Geld stehlen oder nach möglichen Verbrechen Ausschau halten.

Jegliche Aktionen – von Entführungen über Diebstahl bis hin zu Attentaten – erfordert stets ein gewisses Team. Erst wenn man dieses zusammenhat und in den jeweiligen Erdteil gesandt hat, kann man die Aktionen durchführen. Diese bergen allerdings ein gewisses Risiko und können auch schief gehen. Verlaufen sie erfolgreich, bekommt man zum einen allgemeine Bekanntheitspunkte, die zwar mehr Möglichkeiten eröffnen, aber auch die Gesetzeshüter aufmerksamer auf einen machen, und regionale Aufregungspunkte, die vor allem die lokale Polizei verstärkt auf der Insel erscheinen lässt.

Allerhand zu tun

Je gefährlicher man für den Weltfrieden wird, umso mehr ist auf der sonst so ruhigen Insel los. Die Gesetzeshüter unterscheiden sich in ihrem Können, aber auch ihrer Art. So legen Saboteure Sprengsätze und zerstören ganze Räume, Soldaten erledigen das Personal, Diebe stehlen die Errungenschaften und Spione sammeln Informationen. Diese Eindringlinge sollte man tunlichst schnell ausschalten. Das gestaltet sich vor allem im späteren Spielverlauf allerdings als kompliziert, da einfach zu viele gleichzeitig angreifen und (was noch viel störender ist) man jeden einzeln markieren muss, damit die Mitarbeiter sich darum kümmern. Passt man nicht auf, kann jeder munter und problemlos in der Basis umher laufen und machen, was er will.

Eine theoretisch elegante, im Endeffekt aber zu umständliche Methode, der Lage Herr zu werden, ist der Bau von Fallen. So kann man in den Gängen Druckpads am Boden anbringen und mit solch fiesen Anlagen wie einer Gaskabine oder einer Windmaschine verbinden. Tritt ein ahnungsloser Eindringling auf solch ein Pad, wird die Falle aktiviert. Das Verbinden von Pad und Falle gestaltet sich allerdings besonders bei umfangreicheren Gebilden als umständlich und kompliziert. Zudem erwischt es oftmals auch die eigenen Mitarbeiter, weshalb der Einsatz von diesen Gerätschaften nur bedingt zu empfehlen ist.

An seiner Seite hat euer fieser Bösewicht außerdem noch Helden, die über spezielle Fähigkeiten verfügen und besonders im Kampf sehr nützlich sind. So besiegen diese treuen Anhänger ganze Gegnerhorden allein – selbst, wenn sie mehr einstecken als sie eigentlich vertragen, brauchen sie nur etwas Zeit, um sich wieder zu erholen. Gefährlich wird es allerdings, wenn ihr bereits so „berühmt“ seid, dass ein Held der Gerechtigkeit auf eurer Insel ist. Gegenüber solchen besonders starken Eindringlingen haben Helden nur drei Leben.
Mit steigendem Bekanntheitsgrad werden weitere berühmte und starke Gangster aufmerksam und treten eurer Organisation bei.

Stück für Stück die ganze Welt

Das Spiel besteht aus nur einer einzigen, dafür sehr langen Mission, in der man als kleiner, unbekannter Ganove auf einer Insel beginnt und sich langsam nach oben arbeitet. Dabei gibt das Spiel stets Teilziele vor, die es zu erreichen gilt. Anfangs ist lediglich ein Kontrollzentrum zu bauen, später gilt es eine bestimmte Zeit lang eine gewisse Summe an Geld einzunehmen oder wertvolle Kunstgegenstände zu klauen.

Teilweise sind die Missionsziele recht wirr formuliert. So soll man eine Agentin mit Hilfe eines Küchengerätes von der Pracht der Organisation überzeugen. Das man dieses als Folterinstrument einsetzen muss, kann nun wirklich keiner erahnen. Doch ohne alle vorgegebenen Teilziele zu erfüllen, kommt man im Spielverlauf nicht weiter.

Besonders löblich ist vor allem der Einfallsreichtum der Entwickler. Nicht nur das abgedrehte Szenario, sondern auch die skurrilen Charaktere wirken erfrischend anders und heben sich vom Strategieeinheitsbrei deutlich ab. So kann es durchaus dazu kommen, dass eine gefährliche Großmutter mit Elektroschocks Eindringlinge für euch röstet. Doch auch in den Missionen zeigt sich dies, wenn man z.B. alle bedeutenden Bösewichte der Welt bei sich versammeln muss oder einen Klon des Boss erschaffen und diesen von den „Guten“ erledigen lassen muss.

Bildung & Forschung

Entführt man in einigen Missionen qualifiziertes Personal, so kann man dieses in bestimmten Zellen verhören, um so deren Wissen zu erlangen. Derjenige Arbeiter, der das Verhör durchgeführt hat, kann dann in Ausbildungsräumen wiederum andere normale Arbeiter lehren. In einem übersichtlichen und leicht zu bedienenden Menü kann man die Anzahl der jeweiligen Fachkräfte bequem anpassen. Dabei ist es wichtig, ein möglichst ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeitern, Technikern (später Wissenschaftler), Kammerdienern (später Diplomaten) und Sicherheitskräften zu haben. Zum einen benötigt man meist mehrere in den Missionen auf der Weltkarte und zum anderen sind die Fähigkeiten in der Basis allesamt wichtig: Techniker reparieren, Sicherheitsleute schalten Eindringlinge aus und Kammerdiener löschen Brände.
Später im Spielverlauf kann man – nötiges Equipment und Personal in Form von Wissenschaftlern vorausgesetzt – neue Dinge erforschen und so z.B. Sentry-Guns oder bessere Computer einsetzen.

Arbeiter sind auch nur Menschen

Bereits nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass der Aufbaupart von Evil Genius recht umfangreich ist. So werden ständig neue Räume und Gegenstände verfügbar, die allesamt zwei Dingen dienen können: Entweder zum Voranbringen der Weltherrschaftsambitionen oder zur Zufriedenstellung der Mitarbeiter. Diesen kann man nämlich Unterhaltungsgelegenheiten wie Tischtennisplatten oder später gar Plasmafernseher bieten, um sie bei Laune zu halten. Das sollte man auch tunlichst machen, denn ansonsten desertieren Mitarbeiter. Bei einem Arbeiter ist das nicht weiter tragisch; ein Wissenschaftler, der mühsame Ausbildungszeit hinter sich gebracht hat, um ein solcher zu werden, ist schon weitaus schwerer zu ersetzen. Auch viele der Gehilfen werden nicht zu selten Opfer von eingedrungenen Gesetzeshütern – schneller Nachschub ist daher vor allem im späteren Spielverlauf immens wichtig.

Vorbildliche Hilfestellungen

Besonders hervorzuheben ist das sehr gut gelungene Tutorial, das die wichtigsten Funktionen verständlich und nachvollziehbar erklärt. Doch auch über dieses Einstiegslevel hinaus ist der Spieler nie ratlos: Videohilfen mitten im Spielverlauf erklären die Funktion bestimmter Räume, den Nutzen von speziellen Einheiten oder die kommenden Gefahren. Diese Videos werden automatisch eingespielt und sind jederzeit erneut abrufbar. Zudem werden sie durch eine umfangreiche Texthilfe, die über jeden Gegenstand zu erreichen ist, unterstützt, so dass man Fragen sofort klären kann.

Solide Technik

Grafisch mag Evil Genius durchaus zu gefallen und bietet dank frei dreh- und zoombarer Kamera dabei auch den nötigen Bedienkomfort. Größte Stärke sind die gelungenen Animationen. Ob nun realistisch, wie im Ausbildungsraum am Schießstand, oder humorvoll, wie z.B. bei Verhören – jede Aktion ist passend animiert. Einziger Wermutstropfen ist die brettspielartige Weltkarte, auf der Einheiten lediglich als Spielfiguren dargestellt werden.
Ähnlich gut wie die Grafik ist die Sounduntermalung, die vom fetzigen Soundtrack bis zu den (wenn auch wenigen) Aussagen der Spielfiguren durchweg überzeugt.

Thomas Buder (thomas at progamerz.com)
Mittwoch, 20. Oktober 2004
what the fuck means wtf??

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