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Schulnote 1

Trotz – oder auch wegen – der langen Entwicklungszeit und dem … weiter

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Lang, lang ist es her, dass die bewegende Geschichte eines Spieles begann, welches ein ganzes Genre revolutionieren sollte. Vor knapp vier Jahren kündigten die Gebrüder Roberts, die man nach den Spitzentiteln der Wing Commander-Reihe und Privateer quasi als Begründer des Weltraumactiongenres bezeichnen kann, einen weiteren Weltraumtitel an. Dieser strotzte nur so von Features, die sich schier unumsetzbar anhörten. Doch schnell wurde es wieder ruhig um den Titel, die Monate verstrichen, ohne, dass es neue Informationen gab. Dann der große Schock: Chris Roberts verlässt das Entwicklerteam! Viele hatten Angst vor einer Einstellung des Projektes Freelancer, doch ein neues Entwicklerteam überholte das gesamte Spielprinzip, schmiss unnötige Features über Bord und konzentrierte sich auf das Wesentliche. Und das kann durchaus überzeugen!

Weit in der Zukunft

Die Handlung von Freelancer spielt im 23. Jahrhundert. Nachdem die Alliierten im Bürgerkrieg gegen die Koalition den Kürzeren gezogen hatten, schickten sie als letzte Hoffnung Kolonieschiffe ins All und besiedelten weit entfernte Systeme. Knapp 800 Jahre nach dieser Besiedlung reist unser unfreiwilliger Held des Spiels völlig ahnungslos auf einer Raumstation durch das All, welche vollkommen unverhofft attackiert und somit zerstört wird. Unser Held Edison Trent überlebt diesen Angriff haarscharf, verliert dabei seine gesamten Wertsachen und neben einer Menge Geld auch sein Raumschiff. Doch in der Bar findet er Juni, die ihm freundlicherweise einen Auftrag anbietet und Edison auch ein Schiff zur Verfügung stellt. Hier beginnt die eigentliche Story *Freelancer*s, welche durchgehend spannend und abwechslungsreich inszeniert ist und von sehr vielen Zwischensequenzen erzählt wird. Ein wichtiger Teil der Handlung ist das Verhältnis von Trent zu den verschiedenen Parteien im Spiel. So gibt es verschiedene Gruppen von Gesetzeshütern, Wirtschaftsmächten, Piraten oder Handelsgesellschaften. Dem Spieler ist jederzeit ersichtlich, wie sehr ihn die jeweiligen Parteien leiden können und ob sie im somit feindlich oder freundlich gesinnt sind. Dieses Verhältnis wird zum größten Teil von der Storyline geprägt. Doch auch ein Angriff auf freundliche Einheiten kann ein solches Verhältnis sehr schnell verschlechtern. Nachdem der Spiele die erste Mission absolviert hat, verabschiedet sich Juni für eine Weile und die Story schreitet vorerst nicht weiter voran. Weiterhin erreicht der Spieler, ähnlich wie in Rollenspielen, den ersten Level. Nun hat er die Gelegenheit, das Universum auf eigene Faust zu erkunden. Juni meldet sich erst wieder zu Wort, wenn Trent einen weiteren Level aufgestiegen ist. Dies erreicht durch Sammeln von Credits. Erst dann geht die normale Storyline weiter. Dieses Prinzip zieht sich durch das gesamte Spiel: Erst erfüllt man die Missionen der Storyline, um einen Level aufzusteigen und danach muss ein weiterer Levelaufstieg geschafft werden, um die Story weiter zu spielen. Lediglich gegen Ende folgen mehrere Storymissionen aufeinander.

Zwiespältige Missionen

Diesen Levelaufstieg fernab von der Haupthandlung erreicht man durch das Annehmen von Aufträgen, die man meist in der Bar entweder direkt von Gästen oder vom Jobboard erhält. Diese Aufträge bestehen entweder darin, einige feindliche Schiffe in einem bestimmten Zielgebiet zu eliminieren, eine kleinere Basis zu zerstören, einen bestimmten Piloten zu töten oder die Fracht eines bestimmten Schiffes an sich zu reißen. Dazu gibt es einen Traktorstrahl, mit dem man in den Weiten des Universums schwebende Handelsgegenstände oder sogar Ausrüstung einsammeln kann. Weiterhin sind die Aufträge in Schwierigkeitsgrade und Prämien eingeteilt. Das Prinzip ist dennoch ausnahmslos immer dasselbe: Zuerst nimmt man den Auftrag an, startet dann ins All und fliegt knapp zwei bis fünf Minuten zu einem bestimmten Punkt im All. Dort tauchen urplötzlich, je nach Schwierigkeitsgrad, mehr oder weniger feindliche Jäger auf, die zerstört werden müssen. Nach erfolgreichem Abschluss erhält man einige Tausend Credits und absolviert den nächsten Auftrag. Dazu muss man wieder zurückfliegen, erneut in die Bar gehen und das gesamte Procedere wiederholen. Leider laufen die Missionen von den Funksprüchen über die Ziele bis hin zu dem gesamten Aufbau immer wieder gleich ab, so dass man sich schon mal fragt: „Hab ich das nicht gerade gemacht?“ Nach drei bis vier absolvierten Aufträgen dieser Art meldet sich Juni (im späteren Spielverlauf auch mal ein anderer Verbündeter) und kündigt somit die Fortsetzung der eigentlichen Haupthandlung an. Die Missionen hier sind abwechslungsreicher, spannender und insgesamt deutlich besser gemacht als die eben beschriebenen. Sie sind meist von einer einleitenden und einer abschließenden Zwischensequenz umgeben. Auch hier ist das primäre Ziel natürlich das Abschießen anderer Schiffe, doch wurde es in der Haupthandlung glücklicher verpackt. Meist ist man in Begleitung von einem oder mehreren Verbündeten, mit denen man ständig per Funk über die aktuelle Lage informiert wird. Dies sorgt für reichlich Atmosphäre. Doch auch die Aufgaben sind vielfältiger: Entweder kämpft man sich durch bestehende Blockaden feindlicher Schiffe, bewacht einen verbündeten Transporter, greift feindliche Geheimwaffen an oder liefert sich sogar ein Wettrennen gegen ein erfahrenes Fliegerass. Zum Glück sorgen die Missionen der Haupthandlung für enorme Abwechslung, sodass sogar die Missionen dazwischen für einigen Spaß sorgen.

Auf Planeten und auf den Raumstationen kann man sein beschädigtes Schiff reparieren lassen. Auch die Ausrüstungsgegenstände können beschädigt werden und so sogar verloren gehen. Teilwiese verliert man sogar mal einen Flügel und alle Waffen, die darauf montiert sind. Aufpassen muss man vor allem vor Minen und den Raketen der Gegner. Allerdings kann man diese Mittel auch selbst einsetzen. Den meisten Schaden richten aber nach wie vor die Geschütze an. Mit ein wenig Kombination kann man sich das Weltraumleben stark vereinfachen. Es gibt nämlich drei verschiedene Schildarten und sieben verschiedene Waffentypen, welche unterschiedlich viel Schaden anrichten. Neben den Schilden dient auch noch der Rumpf zum Zusammenhalt des Schiffes. Sind beide zerstört, explodiert das Schiff. Mitten im All kann man dies durch Nanobots und Schildgeneratoren verhindern. Erstere reparieren den Schiffsrumpf, die anderen laden das Schild wieder auf. Allerdings kann jedes Schiff nur eine bestimmte Anzahl dieser Helfer tragen.

Gespeichert werden kann ausschließlich auf Stationen und Planeten, allerdings speichert das Spiel automatisch vor den Kämpfen der Hauptmissionen. Dadurch muss man manchmal die eine oder andere Zwischensequenz mehrmals ansehen, was aber nicht sonderlich störend ist.

Reisen im 23. Jahrhundert

In Sachen Fortbewegung haben sich die Entwickler einige nette Varianten ausgedacht. So kann jedes Schiff neben der normalen Antriebsart einen Nachbrenner benutzen, der allerdings nur begrenzte Ressourcen hat und sich ständig wieder auflädt. Besonders nützlich gestalten sich meist die Cruise Engines, mit deren Hilfe man ungefähr viermal so schnell unterwegs ist als mit der normalen Antriebsart. Für den Zeitraum ihrer Benutzung deaktivieren diese jedoch die Waffensysteme. Doch da Freelancer mit 48 Sonnensystemen und 150 Planeten eine riesige Spielwelt bietet, muss es noch mehr Wege geben, vor allem schnell voranzukommen. So gibt es auch noch die so genannten Tradelanes. Dabei handelt es sich um fest im All postierte Handelsrouten, mit denen man sich schnell innerhalb eines Systems bewegen kann. Allerdings werden sie gelegentlich von Piraten unterbrochen, so dass man aus der Bahn geworfen wird und erst nach einigen Sekunden die Reise wieder aufnehmen kann. Ganz ungefährlich ist das nicht. Wenn man aber sogar von einem System in ein anderes reisen will, kommt man an Sprunglöchern nicht vorbei.

Das Weltall lebt!

Ein besonderes Lob muss man den Entwicklern für die fantastische Spielwelt, die sie erschaffen haben, aussprechen. Das riesige Universum ist zum einen sehr abwechslungsreich gestaltet und bietet zudem zahlreiche NPCs, die für Leben darin sorgen. So toben Kämpfe zwischen verschiedenen Parteien, in denen man sich bei Bedarf auch einklinken kann, muss man vor einem Landeanflug warten, weil gerade ein anderes Schiff den Andockport benutzt, oder sieht man ganze Geschwader anderer Schiffe in der Trade Lane reisen. Mit den NPCs kann man sich in den Bars unterhalten, um entweder Missionen, Informationen oder die neuesten Gerüchte zu bekommen. Sämtliche Schiffe im All können außerdem gescannt werden, um so deren Inhalt und Ausrüstung zu erkennen. Man kann die Schiffe auch anfunken und somit Infos über den Piloten sowie dessen Ziel und Aufgabe erfahren.

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