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Leisure Suit Larry - Magna Cum Laude

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playable?
Schulnote 3

Als echter Fan der Larry-Reihe war ich ziemlich enttäuscht, als sich … weiter

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Ungewöhnlich klein, riesiger Kopf, ein geborener Loser – das kann nur Larry Laffer sein, der bereits seit 1987 hübschen Mädels nachstellt. In Leisure Suit Larry - Magna Cum Laude allerdings spielt der inzwischen etwas ergraute Larry Laffer nur eine Beraterrolle für seinen Neffen Larry Lovage, der an dem „Walnut Log Community College“ studiert. Dort ist nämlich gerade eine Fernsehshow mit dem Namen „Swingles“ zu Gast und verkuppelt Studenten. Das kann sich der junge Larry natürlich nicht entgehen lassen.

„Mature Humor, Nudity, Strong Language, Strong Sexual Content, Use of Alcohol“

… so warnt das ESRB. Und genau das erwartet einen in Leisure Suit Larry - Magna Cum Laude! Den „reifen Humor“ haben Larry-Fans schon lange liebgewonnen, die „harten Ausdrücke“ sind akzeptabel, der „stark sexuelle Inhalt“ gehört zu Leisure Suit Larry einfach dazu und der Alkoholgebrauch entspricht inzwischen sowieso mehr oder minder den gesellschaftlichen Formen.

Beerdigung der guten Sitten

… und nicht nur dieser: Fans der Reihe, die sich auf ein schönes Adventure im Stile der vorigen Teile gefreut haben, werden enttäuscht – Larry hat den Sprung in drei Dimensionen nicht ganz unbeschadet überstanden. Die Steuerung erinnert im ersten Moment eher an Grim Fandango oder Monkey Island 4. Mittels der Pfeiltasten wird Larry auf dem Campus des Walnut Log Community Colleges gesteuert. Das ganze Spiel besteht jedoch beinahe ausschließlich aus wenig geistreichen Minigames, in dem man z.B. um für eine Angebetete einen Drink zu mixen, bestimmte Tasten in einer richtigen Reihenfolge möglichst schnell drücken muss.

Selbst Dialoge werden nicht mehr im alten Stil der auswählbaren Sätze geführt. Larry spricht jetzt automatisch und von ganz allein. Die einzige Möglichkeit für den Spieler, auf die Gespräche Einfluss zu nehmen, ist ein Spermium, das am unteren Bildschirmrand bösen, roten Icons ausweichen und gute, grüne Icons auffressen muss. Wie man das steuert? Richtig, wieder mit den Pfeiltasten. Je nachdem ob man auf ein gutes oder ein böses Icon trifft, spricht Larry entweder romantische, beeindruckende Sätze aus oder proletenhafte, abstoßende. Der Fortschritt bei diesen Gesprächen wird durch ein Herz am linken Bildschirmrand dargestellt, das sich je nach Zuneigung der Gesprächspartnerin füllt.
Diese Minigames vermiesen die Langzeitmotivation ganz erheblich, weil sie immer gleich aussehen.

Auf der anderen Seite haben es die viel geschätzten, kleinen Details, die Magna Cum Laude eigentlich spielbar machen, auch in den neuesten Teil geschafft. Ein Beispiel: Neben Larrys Bett im Studentenwohnheim stehen unter dem Nachttisch eine Flasche mit der Aufschrift „Motion-Lotion“. Daneben liegt eine Packung Kleenex. Lässt man Larry das Bett selbst untersuchen, erklärt er selbstsicher: „This is where the magic happens!“
Auch die Kommentare Larrys auf unerwartete Aktionen seitens des Spielers sind nach wie vor zum Wegschmeißen.

Die Steuerung zwischen den Minigames, also während man auf dem Campus herumläuft, ist trotz scheinbarer Narrensicherheit nicht gut gelungen. Man bewegt Larry entweder mit den Pfeiltasten oder mittels eines Gamepads. Spielt man mit Tastatur, ist es bei manchen Minigames allerdings nicht zu vermeiden, die Maus einer besseren Übersicht wegen ebenfalls zu benutzen – und genau hier wird eine deutliche Schwachstelle der Steuerung sichtbar: Die Kamera schwenkt bei Benutzung der Maus gerne mal jeder Logik zum Spott um 180° oder bleibt irgendwo hängen. Das bewegt einen ganz schnell dazu, sofort wieder die Finger von der Maus zu lassen.
Generell ist die Steuerung sichtbar auf Konsolen optimiert, sodass sie für PC-Gamer nicht selten zur richtigen Qual wird (ausgenommen, man ist im Besitz eines Gamepads).

Rundungen …

… sind in der 3D-Grafik vom achten Leisure Suit Larry naturgemäß technisch leicht eingeschränkt. Dennoch wirkt das äußere Erscheinungsbild nicht hässlich. Die Models sind schön detailliert (vor allem natürlich die „wichtigen“ Personen) und auch die im Comic-Stil gehaltenen Hintergründe sind hübsch anzusehen. Einziger Kritikpunkt sind die Texturen, die oft allzu glatt und unnatürlich aussehen.

Georg Holzapfel (memdee at playable.de)
Dienstag, 19. Oktober 2004
„Nennen Sie mir einen besseren Optiker als Playable!“

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