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Schulnote 2

Port Royale ist nicht der absolute Überhammer, aber ein solider … weiter

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„Ich frage mich ernsthaft, wie es mich hierher verschlagen konnte. Gut, der Niedergang der Hanse hat meiner Familie das Geschäft immer schwerer gemacht. Holländische Händler haben mit ihren Waren die Märkte überschwemmt, und unsere Fahrten sind immer unrentabler geworden. Das war zumindest der Grund, warum ich mich entschlossen habe, mein Glück in der ’Neuen Welt’ zu suchen. Doch von Glück war bisher keine Spur.“ – Zitat aus dem Handbuch von Port Royale.

Spielprinzip

Das Spielprinzip von Port Royale ist ähnlich dem des inoffiziellen Vorgängers, Patrizier 2. Mit einem oder mehreren gekauften Schiffen fährt der Spieler im Mittelalter bzw. frühe Renaissance von einer Stadt zur anderen (in Patrizier 2 war es das Gebiet der Hanse, also Nord- und Ostsee. In Port Royale spielt sich alles in der Karibik ab), um in der ersten billig Waren zu kaufen, und sie in der nächsten teuer zu verkaufen. Dadurch kommt Geld zusammen. Dieses wird in neue Schiffe, die dazugehörigen Matrosen, Kapitäne und Kanonen gesteckt. Man will sich den Piraten ja schließlich nicht einfach kampflos ergeben!

Nachdem man in einer Stadt ein Kontor (oder in Port Royale Lagerhaus genannt) gebaut hat, kann man das hart verdiente Geld in Produktions-betriebe investieren, die dann mehr oder weniger rentable Waren herstellen.
Theoretisch ist es jedenfalls so einfach. In Port Royale nämlich muss man erst einmal genug Ansehen bei der Nation (es gibt vier: Spanien, England, Frankreich und Holland), der die Stadt gehört, haben. Dann darf man sich mit dem Baumeister der Stadt treffen und bei ihm eine Baugenehmigung erwerben.

Apropos Nationen: Die vier Länder befinden sich sehr oft im Krieg miteinander. Wenn man sich als Freibeuter versuchen möchte, geht man in das Haus des zuständigen Gouverneurs und besorgt sich einen Kaperbrief, mit man dann „legal“ Schiffe oder Städte der betroffenen Nation angreifen darf. Das bringt bei der Nation, bei der man den Kaperbrief erworben hat, viel Ansehen. Bei der betroffenen Nation fällt man aber erwartungs-gemäß in Ungnade.
Auch sonst gibt es unzählig viele Aufträge, die es zu erfüllen gilt, Städte und Piratennester, die entdeckt und Schätze, die gehoben werden wollen.

Den Namen hat das Spiel übrigens von einer zur Kolonialzeit aufblühenden Metropole auf Jamaika, Port Royale genannt. Doch am 7. Juni Anno 1692 versank 66 Prozent der Stadtfläche bei einem Erdbeben von biblischen Ausmaßen. In den darauf folgenden Jahren wurde wiederholt versucht, die Hafenstadt wieder aufzubauen. Jedoch wurde die Region zu der Zeit immer wieder von Erdbeben und Feuerausbrüchen heimgesucht, sodass Port Royale heute nur noch ein kleines Fischerdorf mit nicht mehr als 1.800 Einwohnern ist und auf so gut wie keiner Karte verzeichnet ist.

Grafik

Das Spiel rühmt sich zwar damit, auf einer hervorragenden 3D-Engine zu basieren, doch bekommt der Spieler in der Regel nicht sehr viel davon mit. Die Städte und die große Seekarte (deren Gebiet übrigens viermal größer ist als das der Seekarte von Patrizier 2) sind hauptsächlich in 2D gehalten, aber trotzdem nicht hässlich, da die Figuren und Gebäude vor Detailreichtum strotzen und überall irgendetwas wuselt und sich bewegt. Die hübsch animierten Stadtbewohner kann man jetzt übrigens nicht mehr anklicken, um ihre Meinung über einen selbst zu erfahren. Das kann man an den Stadttoren, auf der Übersichtskarte oder mit einem Klick auf die Hafentürme erfahren.
Die einzigen Spuren von 3D lassen sich bei den Seeschlachten und der Stadtansicht feststellen, bei denen man stufenlos zoomen kann. Außerdem wird das 3D-Wasser (übrigens genauso wie die Kanonenkugeln) ständig neu berechnet, sodass es die Detailarmut der Schiffe selber verzeihbar machen kann.
Einige Grafikfehler gibt es mit manchen Kyro-Grafikkarten, manchmal will das Spiel gar nicht erst starten. Doch nach dem Patch und einem Treiberupdate läuft es wunderbar.

Sound

Stete Hintergrundmusik wird man in Port Royale vergeblich suchen, nur ab und zu ertönen neben einem ständigen Rauschen der Wellen einige Gesänge der Seemänner, Jingles genannt. Die Soundeffekte sind besonders bei den Seeschlachten sehr stimmungsfördernd, obwohl die Schreie der von Kanonenkugeln getöteten Matrosen ziemlich albern klingen.

Steuerung

Kenner von Patrizier 2 werden wenige Probleme haben, sich an die ähnliche Steuerung von Port Royale zu gewöhnen. Eine entscheidende Neuerung ist, dass Schiffe nicht einzeln ablegen können. Sie müssen in einem Konvoi sein, der von einem Schiff mit Kapitän an Bord gebildet wurde. Zunächst erscheint das Prinzip der Konvois verwirrend, doch mit der Zeit ergreift der praktische Nutzen Besitz der Verwirrung. Das ausführliche und mit Vorlesung begleitete Tutorial erklärt das Interface, die Steuerung und das Prinzip der Wirtschaft und der Preisbildung.

Multiplayer

Port Royale können bis zu acht Spieler entweder im Netzwerk mit TCP/IP oder übers Internet spielen. Für die weltweite Variante liefert Ascaron gleich ein entsprechendes Programm mit, mit dem man sich auf Suche nach Mitspielern begeben kann. Im Multiplayermodus ist die Schnellvorlauf-Funktion, die im SIngleplayer lange Wartezeiten, z.B. bis ein Schiff ankommt, abkürzt, deaktiviert. Die Spielgeschwindigkeit kann nur vom Host geändert werden.

Georg Holzapfel (memdee at playable.de)
Donnerstag, 1. August 2002
Playable.de – Kann länger.

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