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Schulnote 4

Hände weg! Red Faction II ist der schlechteste Shooter, der jemals … weiter

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Vor gar nicht allzu langer Zeit erregte das Entwicklerteam Volition mit einer revolutionären neuen Grafik- und Physikengine Aufsehen. Die GeoMod-Engine sollte es ermöglichen, die gesamte Umgebung zu deformieren, und wollte so Spielen eine neue Art von Handlungsfreiraum verschaffen. Herausgekommen ist der durchwachsene und nur wenig erfolgreiche Shooter Red Faction, von dem uns nun das ebenfalls auf der GeoMod-Engine basierende Sequel vorliegt.

Gleich vorweg: Red Faction II ist für niemanden empfehlenswert, und zwar aus folgenden zehn Gründen:

1. Die Story

… ist schnell erzählt. Im 22. Jahrhundert, 5 Jahre nach der Revolution der Minenarbeiter des Mars’, gleicht das Commonwealth einer Diktatur. Der Machthaber Sopot hat das Reich in eine tiefe Krise geführt, der Himmel hat sich verdunkelt und die Bevölkerung wird durch Propaganda aufgehetzt.
Euer Alter Ego ist der mit Nanotechnologie aufgepeppter Soldat Alias, seines Zeichens Mitglied einer sechsköpfigen Elitetruppe der Red Faction und Experte für alles Destruktive.
Der Anführer der Eliteeinheit plant jedoch einen Putsch und lässt Alias erstmal Sopot hinrichten, um dann selbst die Macht an sich zu reißen. Das könnt ihr natürlich nicht zulassen und müsst versuchen, ihn aus dem Weg zu räumen, um die Ehre eures Vaterlandes wiederherzustellen.
Leider verschläft Red Faction II es, die Story verständlich zu erzählen. Wieso genau man nun was machen muss, ist einem nie wirklich klar, aber es macht auch keinen Unterschied. Das Spiel ist streng linear aufgebaut. Von Zeit zu Zeit gibt es zwar mal einige Bonusziele, aber die findet man auch nur zufällig.
Für gewöhnlich läuft man einfach durch das Level und ballert alles nieder, was sich bewegt. Vom Gameplay her unterscheidet sich Red Faction II nicht wesentlich von Moorhuhn, jedoch frisst es viel mehr Hardware (ohne wirklich besser auszusehen) und macht bedeutend weniger Spaß.

2. Der Stilmix

… aus erzkommunistisch anmutendem Artwork und Nanotechnologie ist ziemlich unglücklich. Sopos scheint eng mit Stalin verwandt zu sein, denn er ist ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Was genau man sich eigentlich dabei gedacht hat, einen der verruchtesten Staatsmänner der Weltgeschichte in einen Shooter zu stecken, werden die Entwickler selber nicht recht wissen.
Auf alle Fälle ist die sozialistische Ader der Red Faction gut getroffen. Man trifft überall auf Rote Sterne und Abbilder des Diktators, die Propaganda funktioniert genauso gut wie im Kalten Krieg und irgendwie scheint sich alles diesem Stil unterzuordnen.
Aus diesem Ansatz hätte sich durchaus eine atmosphärische Umgebung schaffen lassen, jedoch wurde er nicht zu Ende gedacht.
Wieso es Supersoldaten mit Nanotechnologie gibt, ist ebenfalls fraglich. Wenn man sich jetzt an Deus Ex erinnert, dann denkt man mit zuerst an die Rollenspielelemente: Man konnte mit der Zeit seine Fähigkeiten mit neuen Biomodulen aufpolieren und schuf so seine individuelle Kampfmaschine. In Red Faction II haben die Nanoverbesserungen überhaupt keinen Zweck, sie sind einfach nur da, ohne irgendeine Funktion zu erfüllen. Sie haben keinerlei Auswirkung auf das Gameplay. Wieso baut man so was also in ein Spiel ein?

3. Die GeoMod-Engine

… sah nie wirklich schick aus. Sie war in Red Faction veraltet und sie ist es auch noch in Red Faction II. Während man sich im ersten Teil noch durch das halbe Level sprengen konnte, reduziert sich die Einsatzmöglichkeit von Pyrotechnik in Red Faction II auf ein Minimum. Wieso betreibt man einen solchen Aufwand mit einer TerrainMod-Engine, um ein, zwei Wände zu sprengen? Das können andere, moderne Engines auch, zwar per Skript und damit nicht überall, aber sie können es.
Red Faction II ist abstoßend hässlich. Die Models sind kantig, die Texturen sind lächerlich und aktuelle DirectX-Features wie Pixel- und Vertexshader, selbst Bumpmapping und Echtzeitschatten sucht man vergebens.
Dafür kann es sich, was die Hardware-anforderungen betrifft, durchaus mit Unreal Tournament 2003 messen. Ich habe es auf meinem AthlonXP 2100+ mit einer Radeon 9500pro oftmals nicht über 20 fps geschafft, ohne dass ich irgendwie das Gefühl hatte, dass etwas besonders Aufwendiges auf dem Bildschirm passieren würde.
Bitte Volition, mottet diese GeoMod-Engine endlich ein! Wenn ihr keine leistungsfähige Engine programmieren könnt, dann lizenziert eine.
Und hört auf, Spiele gleichzeitig für PC und Konsole zu entwickeln. Ist euch aufgefallen, dass jeder PC mehr als 64 MB RAM zur Verfügung hat? Aktuelle Grafikarten alleine haben doppelt soviel Speicher wie eine PS2 für System und Grafik zusammen. Rechnet man den Hauptspeicher mit dazu, dann hat ein durchschnittlicher PC zehnmal mehr Speicher als Sonys Staubfänger. Nutzt ihn! Und engagiert fähige Grafiker, die euch fotorealistische Texturen malen!

4. Zisch, Zisch, ich bin ein schweres MG!!

Und noch ein Gebiet, auf dem Red Faction II enttäuscht: Wenn sich ein schweres MG anhört wie ein Phaser und Explosionen mehr rauschen als donnern, fragt man sich, wieso man eigentlich eine „EAX AHD“-Soundkarte hat. Vermutlich, weil sich das Logo so schick auf dem Gehäuse macht.
Nochmals ein Aufruf an Volition: Besorgt euch neue Soundartists! Oder schickt eure Soundschmiede mal auf einen Schießstand, damit sie lernen, wie eine Projektilwaffe zu klingen hat. Und werft mal einen Blick auf das SDK von EAX! Satter Sound gehört genauso zu einem Spiel wie gute Grafik. Besorgt euch außerdem jemanden, der euch die Sprachausgabe lippensynchron macht. Alles andere sieht arg lächerlich aus.

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