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The Moment of Silence

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playable?
Schulnote 2

The Moment of Silence ist ein echter Geniestreich der deutschen … weiter

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Willkommen im New York der Zukunft! Wir schreiben das Jahr 2044. Gönnen wir uns einen Moment der Ruhe in unserem neuen Appartement. Nach dem Tod seiner Frau und seines Sohnes kümmert sich Peter Wright nicht mehr viel um sein eigenes Leben und das anderer. Er hat einen guten Job bei einer Werbeagentur und erfüllt diesen sehr zur Zufriedenheit seines Vorgesetzten. Doch heute wird seine Ruhe gestört: Ein Sondereinsatzkommando bricht die Tür der Nachbarn auf und verhaftet den Familienvater Mr. Oswald. Merkwürdig ist nur, dass die Polizei von diesem Einsatz gar nichts weiß und schon seit längerem keinen Einsatz mehr in Peters Viertel durchgeführt hat.
Wo ist also der Nachbar? Wer hat ihn verschleppt? Mr. Oswald war Online-Redakteur und arbeitete an einem neuen Artikel, nur zu welchem Thema? Diese und andere Fragen gilt es in einer futuristischen Welt, die zwischen Technik und Chaos steckt, zu klären. Doch bevor ihr euch weiter in die Story vertieft, lasst uns das Spiel erst einmal ordentlich durchchecken!

Handy oder Messenger?

Nach einer kurzen und schmerzlosen Installation und einem aufreibenden Intro befindet ihr euch in Peters Wohnung. Etwas verwirrt will er den Nachbarn helfen und fragen, was gerade los war. Es macht ihm keiner die Wohnzimmertür auf, sie ist verschlossen. Also zurück in das eigene Appartement und erst einmal umsehen. Im Schub des Nachtisches findet man seinen Messenger – ein etwas futuristisches Bildtelefon, das zugleich den Personalausweis ersetzt. Danach können wir bei der Auskunft nach der Messengernummer der Nachbarin fragen und so ein wenig mehr über den Fall erfahren. Nach einem kurzen Chat mit einer Freundin aus dem Internet erkundigen wir uns bei der Polizei, doch die weiß von nichts. Wie soll es nur weitergehen?

Point’n’Click-Adventures auf neuen alten Pfaden

In diversen Dialogen mit allerhand Leuten kann Mr. Wright unterschiedliche Antworten geben, Informationen sammeln und variable Eindrücke hinterlassen. Jedoch redet er bei weitem nicht mit jedem! Manche Personen auf der Straße „werden schon wissen, was sie tun“ und müssen nicht in ein unnötiges Gespräch verwickelt werden.

Die komplette Steuerung wird mittels der Maus vollzogen, wie es sich für ein Point’n’Click-Adventure gehört. Man benötigt nie die Tastatur und kann sein Inventar einfach aufrufen, indem man den Mauszeiger an den unteren Bildschirmrand bewegt. Peter kann sogar schneller laufen, wenn man Doppelklicks ausführt. Möchte man Infos zu einem bestimmten Objekt, einem Gebäude oder einer Person erhalten, bewegt man seinen Mauszeiger über dasselbige und betätigt die rechte Maustaste.

Details, Ideen und ganz viel Technologie

Die Orte und Umgebungen, in denen sich Peter bewegt, sind allesamt enorm detailreich und interessant gestaltet. Es wird sich oft technischer Errungenschaften bedient, die es in dieser Form noch nicht gibt, bzw. die eventuell einmal auf unseren heutigen Entwicklungen aufbauen könnten. Zum Beispiel befindet sich in der Werbefirma „Greenberg and Winter“ eine merkwürdig anmutende Empfangsdame, die mit etwas niedriger künstlicher Intelligenz aufwartet und nur ellenlange Passwörter zu begreifen scheint. Auch die Taxis, die nun ohne einen Fahrer auskommen und über Satelliten gesteuert werden, oder der Anblick des Hackerbereiches im Nuclear Café sehen futuristisch aus und machen Vorfreude auf das, was uns gegebenenfalls wirklich noch erwartet.

Leider ergibt sich aus der Technikwelle nicht nur Positives für den Menschen. Gesellschaftskritisch und hinweisend auf die totale Computerabhängigkeit weist The Moment of Silence im Spielverlauf ebenso auf die negativen Seiten hin, denn Computernetze sind bekanntermaßen keineswegs unangreifbar. Hackergruppen vollziehen terroristische Anschläge, gegen die die Weltregierung nicht viel unternehmen kann. Deshalb soll nun unter dem Slogan „Freedom of Speech“ eine Kampagne mit anschließender Wahl gestartet werden, die die Kryptografie gänzlich verbietet. Die einen sind froh über die scheinbar greifbare Möglichkeit, Cyberterrorismus den Garaus zu mache, die anderen fürchten den Überwachungsstaat und stellen das geplante Gesetz in Frage.

Auch audiovisuell zukunftsweisend?

Die Umgebungen bestehen typischerweise aus vorgerenderten Bildern, denen man die Liebe, die in sie investiert wurde, ansieht. Zu meckern gibt es hier nichts, dafür allerdings bei den Animationen der Figuren, die allesamt etwas unbeholfen agieren. Das Rennen Peters sieht einem Menschen ähnlich, der Angst hat über seinen Schnürsenkel zu stolpern, und auch die restlichen Bewegungen sind etwas abgehackt und nicht fließende, menschliche Gestik und Motorik.

Es wurde dafür aber auf eine genaue Synchronität der Lippenbewegungen und den damit verbundenen Texten geachtet. In Verbindung mit den deutschen Stimmen von Bruce Willis und Julia Roberts einfach nur traumhaft! Nicht nur die beiden Hauptcharaktere sind schön beim Sprechen anzusehen und zuzuhören, sondern sämtliche Individuen sind ausgefeilt und haben eine perfekte Stimme verliehen bekommen. Zusammen mit der ab und an auftauchenden Musikuntermalung, kann der Sound als sehr gut bezeichnet werden.

Christian Tillack (xc at progamerz.com)
Montag, 18. Oktober 2004
Heute Playable, morgen die ganze Welt.

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