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Schulnote 2

Vietcong kann vor allem aufgrund der dichten Atmosphäre überzeugen. … weiter

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Der wohl verlustreichste Krieg, den die Amerikaner nach dem 2. Weltkrieg führten, war der Vietnamkrieg. Über 20 Jahre hatten amerikanische Soldaten mit dem Dschungel, Fallen und nicht enden wollenden Tunneln zu tun. Die tschechischen Entwickler aus dem Hause PTERODON haben jetzt erstmals versucht, dieses Szenario für den PC tauglich zu machen.
Wie es gelungen ist, erfahrt ihr in unserem Test!

Sergeant Hawkins meldet sich zum Dienst, Sir!

Eine schön gestaltete Zwischensequenz zeigt, wie Sergeant Steve Hawkins 1967 als Verstärkung für die US-Truppen per Hubschrauber ins Camp Nui Pek befördert wird.
Nach kurzer Meldung beim Offizier kann man auch schon seine Unterkunft beziehen: Ein kleines Zweizimmergebilde, in dem gerade mal das wichtigste Platz findet. Von hier aus startet man seine Missionen, kann sich Informationen über Waffen und die gegnerischen Tricks ansehen. Das war auch schon alles, was Vietcong in Sachen Story zu bieten hat. Dann geht es los, ein Routineausflug stellt die erste Mission dar.

Atmosphärisch packende Missionen

Besonders gut ist es den Entwicklern gelungen, die beängstigende Atmosphäre auf den Bildschirm zu bringen. So erhält man während der Missionen ständig neue Informationen oder Aufgaben per Funk. Meistens ist man im Verband mit bis zu fünf anderen KI-Kollegen unterwegs, zu denen z.B. ein Medic, ein Pointman und ein Radioman gehören. Allesamt haben wichtige Aufgaben während der Missionen zu erfüllen. Der Medic heilt nicht nur den Spieler, sondern auch andere Teamkollegen. Der Radioman ist für die Verbindung ins Camp verantwortlich und der Pointman führt die Truppe zum Ziel. Das ganze ist größtenteils gut umgesetzt. Zwar dauert es manchmal eine ganze Weile, bis die Kollegen einem folgen, oder sie stehen einem im Weg, sodass man einfach nicht mehr weitergehen kann, doch helfen sie meist kräftig mit, den Gegner kampfunfähig zu machen.
Die Missionen finden vorwiegend im dichtbewachsenen Dschungel statt. So kämpft man sich unter verschiedenen Aufträgen in der Regel langsam nach vorne, da hinter jedem Baumstamm ein „VC“ lauern könnte. Doch nicht nur die Vietcongs sind für den Spieler gefährlich, sondern auch die Fallen, welche von ihnen platziert wurden. Dazu gehören fiese Holzsperre, die beim Durchlaufen einer Schnur den Spieler erbarmungslos aufspießen, oder sogar Sprengfallen. Entweder man umgeht diese Fallen oder entschärft sie. In jedem Fall ist im Dschungel höchste Aufmerksamkeit gefordert, da der Mix aus Fallen und Vietcongs den Spieler ganz schön beschäftigt. Zudem muss man teilweise noch auf seine Kameraden achten, da beim Tod dieser die Mission als gescheitert gilt.

Gelungene KI

Die Computergegner verhalten sich äußerst geschickt. So verstecken sie sich clever hinter Baumstämmen, sind sehr treffsicher, werfen gezielt Granaten und formieren sich im Team. Manchmal sind ihre Hüte eindeutig hinter einem Baumstamm zu erkennen, sodass sie mit einem gezielten Treffer problemlos ausgeschaltet werden können. Auch die eigenen Teamkollegen erfüllen ihre Aufgaben zufriedenstellend. So heilt der Medic einen automatisch, wenn man verwundet ist. Zusätzlich kann man den Mitstreitern noch per Knopfdruck Befehle wie „Wartet hier“ oder „Folgt mir“ erteilen. Diese werden aber nur zum Teil und unvollständig durchgeführt und helfen nicht wirklich weiter. Des Weiteren stehen die eigenen Kameraden einem manchmal im Weg und lassen einen einfach nicht passieren - ziemlich nervig, da man normalerweise den letzten Spielstand wieder laden muss!

Abwechslungsreiche und oft langweilige Missionen

Die Missionen erweisen sich alle als sehr abwechslungsreich. Neben Standardaufgaben wie „Durchforsten Sie das gesamte Gebiet nach Feinden!“ warten viele andere Ziele darauf, absolviert zu werden. So muss man z.B. einem verletzten Kollegen, der gerade von einem Helikopter abgeholt wird, Feuerschutz geben, vermisste Soldaten im dichten Dschungel ausfindig machen und mit einem Schnellboot und mit Hilfe einer MG zum Lager fliehen. Selbst letzteres wird zum Schauplatz einer Mission, da es vom Feind attackiert wird. Doch leider gibt es da noch „Tunnelmissionen“, wie ich sie einmal bezeichnen möchte, in denen sie ewig durch Tunnel kriechen, in denen es meist nur eine Richtung gibt. Spannend ist das ganz und gar nicht; auch wenn ab und zu einmal ein Vietcong im Gang steht. In geringem Maße wären diese Passagen gar kein Problem, doch haben die Entwickler hier eindeutig übertrieben.

Standardausrüstung

Um den zahlreichen Gegnern Paroli bieten zu können, stehen einem insgesamt 20 Waffen zur Verfügung. Während der Missionen kann man auch die Waffen der Gegner aufnehmen, muss seine allerdings ablegen. Das Repertoire hält keine Überraschungen bereit: Neben Messer, Granaten, Colt und der Thompson gibt es noch äquivalente Waffen auf der Seite der Vietcongs. Zusätzlich kann Hawking in jeder Mission noch maximal ein Medipack mit sich tragen, hin und wieder kann er sich bei den Gegnern Nachschub holen. Eine fast unverzichtbare Karte zeigt die Position des Spielers und den Weg, den man gehen sollte. In den großen Levels kann man sich nämlich durchaus verlaufen.

Babyleicht oder Knüppelschwer

Am Anfang der Kampagne hat man die Wahl zwischen vier verschiedenen Schwierigkeits-graden. Diese sollte gut überlegt sein und an die eigenen Fähigkeiten angepasst sein. Während man in der leichtesten Variante noch unzählig viele Savegames hat und eine Menge Treffer einstecken kann, kann man in der schwersten Wahl gar nicht (!) speichern und kann bei zwei Treffern die Mission von vorn beginnen. Es ist sicherlich sinnvoll, eine Stufe zwischen diesen Extremen zu wählen.

Grafik & Sound schaffen tolle Atmosphäre

Die Grafik von Vietcong ist bei einer ersten Betrachtung durchaus gut. Zahlreiche Bäume und Sträucher räkeln sich im Wind, die Charaktere sehen gut aus, Schmetterlinge fliegen vor einem und schier unendlich weite Landschaften werden dargestellt. Ein genauer Blick zeigt jedoch Texturen mit niedrigen Auflösungen, die vor allem für den Dschungelboden verwendet wurden, eckige Blätter an den Sträucher, die ganz und gar nicht nach Blättern aussehen, und enttäuschende Effekte, welche heutzutage keinen mehr so recht begeistern. Dennoch schafft sie ein gutes Mittendrin-Gefühl.
Vollends überzeugen kann hingegen der Sound. Fast pausenlos hört man irgendwelche Gewehre rattern, Vietcongs und die eigenen Kameraden fluchen. Ist es dann im Dschungel doch mal leise, so lassen exotische Tiergeräusche den Spieler in diesen eintauchen. Stimmige Hintergrundtracks unterlegen Hawkings Aufenthalt in seiner Unterkunft.

Multiplayer: Standardkost ohne Innovationen

Im Multiplayer kämpfen nordvietnamesische Truppen auf zehn Karten gegen die US-Armee. Zu den Spielmodi gehören Deathmatch, Last Man Standing und Real War, eine Art Capture The Flag. Es ist ebenfalls möglich, offline gegen computergesteuerte KI-Gegner zu kämpfen.

Thomas Buder (thomas at progamerz.com)
Samstag, 10. Mai 2003
Playable – Wunschlos glücklich.

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